Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich 2003
Ein Spiel mit den formalen und formellen Erscheinungen der institutionellen Bildungs- und Selektions- und Qualifikationsmaschinerie mit dem Ziel, diese mit ihren eigenen Mitteln zu kritisieren und dafür von ihr ein Diplom zu erhalten.
Wer darf wem weshalb ein Diplom ausstellen? Welche gesellschaftlichen und psychologischen
Mechanismen spielen in diesem zuweilen wunderbar absurden Prozess? Die Forschungsergebnisse
zu diesen Fragen wurden im Juni 2003 in der Produktion "Das Diplom"
einem interssierten Publikum vermittelt...
Eine theatrale Spielanlage
Das interaktiven Theaterstück „Das Diplom“ (Genre: Lehrstück)
war eine inszenierte Spielanlage, die den Spieler (=Schüler) auf einem
Parcours (=Schullaufbahn) durch ein original Schulhaus schickte, dessen Dramaturgie
ihn von der Einschulung im Parterre durch verschiedene Lektionen, Zwischenprüfungen
und Kollektivstrafen (=Performances und Happenings) bis zur „Super Aussicht“
im Dachstock führte.
Bühnenbild und Requisiten bestanden ausschliesslich aus Lehrmitteln, wurden
aber leicht zweckentfremdet eingesetzt. Aus Hellraumprojektoren wurden Theaterlampen.
Werkzeuge des Messens und Einteilens wurden als rituelle Objekte der Glaubensindoktrination
verwendet. Etc.
Der Spieler fand sich in einer Welt wieder, die der perfekten Mischung aus einer
Psychiatrischen Klinik und einer sektiererischen Missionsanstalt entsprach.
Unter den Spielern befanden sich (zwangsläufig) auch 5 Prüfungsexperten
der HGKZ. Drei von ihnen haben die Tribunalszene, in der es darum ging, auf
dem letzten Treppenabschnitt den „Silly Walk“ ihrer Professoren
zu imitieren, mit Bravour bestanden und durften ihr Diplom in der Form eines
Seifenblasendose entgegen nehmen.


Das Ziel ist oben..

Schwester Hulda gibt die Lehrmittel aus: Startnummer und Schwimmflügel für Trockenübungen

Der Rektor und die Agenten "Zuckerbrot und Peitsche" empfangen die AnwärterInnen zum Einteilungstest

Der Rektor erkärt die Regeln und den Sinn.

Diese Suppe ess ich nicht - Ein Diplomanwärter löffelt in seiner Buchstabensuppe...

Lektion 3: "Abenteuer Überleben" - 3.1: Schläge einstecken ohne zu Boden zu gehen.

Aufmerksame StudentInnnen.


Mitten im Diktat (Dürrenmatt: Die Dissertation) driftet eine Studentin ab...

und sucht nach wegen, den Raum zu verlassen...

Der Professor erklärt die idealen Bedingungen für die Reifung im Gewächshaus

Der Sonderschüler zitiert Kant: "Selbstverschuldet ist die Unmündigkeit..."

Die ewige Geigenschülerin irrt durch die Gänge

Kollektivstrafe:
Singen: "Die Gedanken sind frei, sie fliegen vorbei..." Im Hintergrund
ausgestopfte Vögel

Das Tribunal wartet auf die ersten Prüflinge um sie mit dem Masstab zu Diplomierten zu schlagen. Auf dem Altar Herz, Waage und Hirn.

Tribunal: "Imitiert den Gang eures Meisters..."

Agentin Peitsche holt einen Prüfling ab. Zuerst gehts unter der Hochsprunglatte durch...

Ein Prüfling vor dem Tribunal - von Oben: Warme Luft in schmieriger Seife aus den frisch verteilten Diplomen.
Mitwirkende
Ihr Schulpersononal und Ihre Schulkameraden sind:
Sybilla Semadeni, Kenneth Huber, Stefan Kollmuss, Clod Erismann, Markus Gehrig
(Schauspiel),
Jennifer Matheja (Tanz), Irena Boso (Performance) und Susanne Vogler (Gesang
und Performance)
sowie:
Musik (Geige und Piano): Vera Kardos, Isora Castilla
Kostüme: Sarah Giancane
Mitarbeit Produktion: Matthias Krobath
Mitarbeit Licht: Daniel Imbach, Dani Meier
Technik und Bauliche Massnahmen: Marck Tüscher
Redaktion Lesebuch (Programmheft mit Hintergrundtexten): Suzanne Regez
Maske: Lilly Mühlebach
Konzept, Regie: Peter Haberstich
Produktion: sense & sense~~
Mentorat und Ping-Pongs mit: Barbara Liebster, Iris Zantop, Martin Saxer, und
vielen anderen.
Das Buch zur Inszenierung
Der 85-seitige schriftliche Teil zur Diplomarbeit (Dokumentation und Analyse von Entwicklung und Inszenierung mit Behandlung der angetroffenen Problemfelder) kann hier als PDF geladen werden.
http://www.peterhaberstich.info/diplom/Ich_Will_Ein_Diplom.pdf (7.1MB)
Peter Haberstich, geboren 1974, (vorl. o. Dipl.) arbeitet
seit zehn Jahren an verschiedenen Projekten im Bereich Theater, soziokulturelle
Animation und Kunst. Er experimentiert mit dramaturgischen Formen, welche Improvisation
und Interaktion ermöglichen und die Grenze zwischen Zuschauerraum und Bühne,
Akteuren und Zuschauern verwischen.
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